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AKTUELL:  Genehmigt durch die LAG 

… auf einen Blick …
Ziel Projektträger Kosten Förderhöhe Laufzeit
In der Bevölkerung Region Bocholter Aa einen Umdenkungsprozess hinsichtlich der Individual-Mobilität in Gang zu setzen. LAG Bocholter Aa 294.644,00 Euro 65 %   26 Monate

 Auch weil das ÖPNV-Angebot für die meisten Mobilitätsbedürfnisse in der Region „Bocholter Aa“ noch nicht optimal ist, besitzen viele Haushalte einen Zweitwagen. Dieser wird im Wesentlichen für den Transportdienst der eigenen Kinder, Einkaufsfahrten und Arztbesuche etc. eingesetzt, wobei sich der Aktionsradius des Zweitwagens größtenteils auf den eigenen Ort beschränkt. Dem Nutzen des Zweitwagens mit einer hohen Flexibilität stehen viele Nachteile gegenüber: Das Auto steht größtenteils nur herum, nimmt – auch öffentliche – Fläche in Anspruch und ist zudem recht teuer: Im Durchschnitt verursacht ein Zweitwagen Kosten von mindestens 200-400 Euro pro Monat (incl. Anschaffung, Wertverlust etc. – andere Zahlen gehen von rd. 500,- Euro/Monat aus).

Alternativen zum teuren Zweitwagen könnten gängige Car-Sharing-Angebote sein. Das bisher bekannte Carsharing erfordert jedoch vom Nutzer eine Bereitschaft, sich über eine Plattform ein Auto zu reservieren. Der Standort des Autos ist in den meisten Fällen zentral an einer Stelle, wo der Nutzer das Auto abholen und wieder abstellen kann/muss. Dieser bedeutet für die Nutzer eine wesentliche Einschränkung gegenüber der Verwendung des Zweitwagens vor der eigenen Haustür.

Um die Bereitschaft zu steigern, Carsharing zu nutzen und auch dadurch perspektivisch die Anzahl von Zweitwagen in Wohngebieten zu reduzieren, sollte die Verwendung eines Sharingangebotes auf eine Anzahl Nutzer (z.B. Nachbarschaft) und auf einen fußläufigen Umkreis begrenzt sein, um die Komforteinschränkung gegenüber eines Zweitwagens auf ein Minimum zu reduzieren. Hierfür bieten sich kleinere Nachbarschaftseinheiten (6-8 Nutzer/Haushalte) in Wohngebieten (Idee: 2 Wohngebiete/Quartiere pro Kommune) an, um dort in einem zweijährigen Pilotprojekt Erfahrungen zu sammeln mit dem Ziel, dass sich eine belastbare Anzahl von Haushalten perspektivisch vom Zweitwagen trennt. Die Auswahl der Haushalte sollte dabei nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen (Wohnort in Stadtkern oder Außenbereich, Pensionäre, Familien, 2-Personen-Haushalte etc.), um möglichst breite und vielfältige Erfahrungen für künftige Planungsprozesse zu sammeln. Folgende Grundgedanken liegen diesem Ansatz zugrunde:

  • Das Nachbarschaftsmodell erfolgt grundsätzlich CO2-neutral mit einem E-Auto.
  • Durch einen begrenzten Nutzerzuggang ist die Kostenaufteilung für Fahrzeugkosten besser und transparenter darstellbar.
  • Die Energiekosten (Ladung durch Wallbox vor Ort) durch RFID-Karten sind auf jeden User aufteilbar (Energiekosten werden also nutzerscharf abgerechnet und verursachergerecht zugeordnet)
  • Die Ladeinfrastruktur ist grundsätzlich auch für andere Elektrofahrzeuge verwendbar.
  • Der begrenzte Nutzerzugang erhöht die Chancen auf eine pflegliche Behandlung der Autos.
  • Die Kosten für den Betrieb (Steuer, Versicherung, Wartung, Reparatur) der Autos werden durch Pauschalen oder verursachergerecht durch die Nutzer abgedeckt.
  • Die Kosten zur Bereitstellung der Ladeinfrastruktur trägt der örtliche Versorger.
  • Der eingeschränkte Nutzerkreis erlaubt einen persönlichen Bezug zum Fahrzeug und der anderen Fahrzeugnutzer.
  • Keine wesentlichen Komforteinschränkungen gegenüber der Nutzung des Zweitwagens vor der Haustür.

Die Pilotphase sollte 24 Monate betragen: Dieser Zeitraum animiert ggf. zur Abschaffung eine Zweitwagens; zudem wird dadurch gegebenenfalls die Anschaffung eines Zweitwagens von weiteren „Nachbarn“ verhindert, da die zu erwartenden positiven Auswirkungen einen Nachahmereffekt hervorrufen.

Im Rahmen des Pilotprojektes sind dann folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Für ein Pilotprojekt muss eine Nachbarschaft oder eine räumlich eng zusammenhängende Nutzergruppe mit der Bereitschaft zum Verzicht auf den Zweitwagen gefunden werden.
  • Es muss für ein Pilotversuch ein E-Auto bereitgestellt werden (Bezug von Grünstrom), wo mittels einer Kostenermittlung die Gesamtkosten auf die jeweilige Nutzergruppen umgelegt werden.
  • Es muss ein fester Parkplatz mit einer Ladeinfrastruktur innerhalb einer räumlichen Begrenzung bereitgestellt werden, wo alle Nutzer das Fahrzeug fußläufig in unmittelbarer Umgebung erreichen können.
  • Es muss jeder Ladevorgang dem jeweiligen Nutzer zugordnet und mit ihm abgerechnet werden. Ggf. muss dieses über eine Kilometerpauschale erfolgen.
  • Es muss ein Halter für das E-Fahrzeug definiert werden, der den Betrieb des Fahrzeuges sicherstellt.
  • Für die Pilotphase müssen die Nutzer eine ausführliche Dokumentation ihres persönlichen Mobilitätsverhaltens führen (kein Profiling, Beachtung DSGVO).
  • Es ist zu klären, wie viele Nutzergruppen aufgebaut werden (Vorschlag: Pro Kommune in der Region Bocholter Aa 2 Gruppen = 10 Gruppen insgesamt).
  • Ziel: Die Nutzung des Sharing-Autos muss deutlich günstiger als der Betrieb eines Zeitwagens sein.
Dazu sind folgende Punkte für eine erfolgreiche Projektumsetzung von Bedeutung:
  • Bereitstellung der Parkfläche (in Abstimmung mit der Kommune)
  • Bereitstellung der Ladeinfrastruktur (Klärung mit örtlichem Versorger)
  • Klärung der Verantwortlichkeit für den Betrieb des Fahrzeugs und Aufteilung der Kosten (große Nutzergruppe -> geringere Kosten, kleine Gruppe -> höhere Kosten)
  • Klärung der Energieabrechnung, wenn der Ladevorgang vor der nächsten Nutzung nicht zu 100% abgeschlossen ist
  • Fahrzeugnutzung bzw. der Zugang zum Fahrzeug (Schlüsselkonzept oder Verwendung einer APP. Schlüsselkonzept sehr teuer –App-Nutzung kann zur Verbrauchsermittlung herangezogen werden)
  • Klärung der „Hausmeistertätigkeiten“ für die Autos, Parkplätze etc.
  • Festlegung der anschließenden Weiterführung
Der zeitliche Umfang zur Betreuung bzw. Koordinierung des Projektes wird im Durchschnitt analog einer halben Stelle kalkuliert; die Umsetzung soll durch externe Dienstleister erfolgen. Zu Beginn des Projektes wird für die Erstellung des Konzeptes und die Vorbereitung der zeitliche Umfang höher liegen, während der Umfang dann während der Projektumsetzung dann abnehmen wird. Großen Wert wird auf die Auswertung und Evaluierung der Ergebnisse (für eine Übertragbarkeit in andere Quartiere/Kommunen/Regionen) sowie auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt.

 

 

Projektziele:

Ziel des Projektes ist es, in der Bevölkerung Region Bocholter Aa einen Umdenkungsprozess hinsichtlich der Individual-Mobilität in Gang zu setzen: Notwendige Autofahrten sind auch ohne einen eigenen PKW und ohne Komfortverlust möglich, was dann in einem weiteren Schritt zur Einsicht führen kann, dass für viele Dinge auch das Fahrrad die natürliche erste Wahl des Verkehrsmittels für die innerörtliche Mobilität sein kann.

Das Projekt trägt dazu bei, den Ausstoß klimaschädlicher Gase in der Region zu verringern sowie den Ausbau der E-Mobilität voranzutreiben. Über das Projekt bekommen die Kommunen zudem weitere 4 öffentliche Ladepunkte umgesetzt.

Dem Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ kommt im Rahmen dieses Projekt eine große Bedeutung zu. Durch verschiedene Formate einer Bürgerbeteiligung (Online, Veranstaltungen, Workshops etc.) soll der innovative Ansatz des Projektes verdeutlicht werden. Regelmäßige organisierte Treffen der unterschiedlichen Nutzergruppen sollen dabei entsprechen aufbereitet werden (Interviews, O-Töne der Nutzer zum Mehrwert und Nutzen des Projektes, Best-Practice etc.). Darum sollen die Maßnahmen auch eng mit den Klimaschutzmanagern*innen in den Kommunen und im Kreis abgestimmt werden.

 

Projektträger/Ansprechpartner:

LAG Bocholter Aa
Alexander Jaegers

 

 

Presseclipping:

Bericht aus dem BBV vom 03.09.2021

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Bitte beachten Sie: Das Projekt ist noch nicht von der Bezirksregierung Münster bewilligt und befindet sich daher auch noch nicht in der Umsetzungsphase.

Selbstorganisiertes E-Car-Sharing in Stadtquartieren